„Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?“

„Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?
Die Fahne schwebt mir weiß und schwarz voran;
Daß für die Freiheit meine Väter starben,
Das deuten, merkt es, meine Farben an.“ [1]

Unteroffizier. H.Schütt & W.Kutzbach, handkoloriert, um 1875. ©akg-images

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts waren fast alle europäischen Armeen uniformiert. Glich der Schnitt des Uniformrocks meist der aktuellen Zivilmode, wurden bei der Farbauswahl deutlich kräftigere, stark leuchtende Töne gewählt um Eigenbeschuss zu vermeiden. Anhand der Farben des Rocks war nun eine Zuordnung zu den jeweiligen Armeen der Nationen möglich. So trugen beispielsweise katholische Staaten wie Frankreich, Polen und Österreich Weiß [2], protestantische Staaten Rot (England, Dänemark-Norwegen etc.) sowie, das für etwa Preußen so bekannte Dunkelblau, ›preußisch blau‹. Innerhalb einer Waffengattung unterschied man Rang und Verband mit Hilfe von Details in der Schnittführung sowie Abzeichen- und Knopffarben.

“Erinnerung an meine Militärzeit”. G. Schoppmeyer, handkoloriert, um 1890. ©akg-images
“Erinnerung an meine Dienstzeit”. Josef Assmann, handkoloriert, um 1900. ©akg-images
Soldaten mit gemalten Manöverszenen. C. Even, teils handlkoloriert, um 1905. ©akg-images

Nicht allein aus ästhetischen Gründen wurden frühe Studioaufnahmen von Soldaten detailgenau, in leuchtend bunten Farben nachkoloriert. Vor allem diente die Nachbearbeitung der Fotografien der eindeutigen Identifizierung von Rangordnung und nationaler Zugehörigkeit der Männer.

Reservist der preußischen Polizei. H. Kost & C., handkoloriert, 1865. ©akg-images
Reservist der preußischen Polizei. “Mittag I”. C. Seegert, handkoloriert, um 1870. ©akg-images
Reservist der preußischen Polizei. Fotograf unbekannt, handkoloriert, um 1860. ©akg-images
Reservist der preußischen Polizei. “Düsterwald, Regenschirm- und Stockfabrikant”. Eduard Tannhof, handkoloriert, um 1870. ©akg-images

Die rasch fortschreitende Entwicklung der Waffentechnik im ausgehenden 19. Jahrhundert und die damit verbundene Veränderungen der Gefechtsordnung, machte die bis dato so wichtige Signalwirkung der bunten Uniform im Nahkampf hinfällig. Im Gegenteil, nicht gesehen zu werden war nun von Vorteil. Man begann mit einfarbigen Tarnfarben zu experimentieren. Bereits 1907 wurde das gesamte deutsche Feldheer mit einer neuen Uniform ausgestattet, die erstmals im ersten Weltkrieg im vollen Umfang zum Einsatz kam. Das neue ›feldgrau‹ der Uniformen dominiert die Bildwelt dieses Krieges und auch heute steht der Begriff der ›Feldgrauen‹ noch metaphorisch für das deutsche Militär der Zeit von 1914 bis 1945.

Junger Soldat in Uniform. C. Euen, handkoloriert um 1900. ©akg-images
Soldat der Reichslanden Elsaß-Lothringen. J.B. Jungblut, handkoloriert, um 1890.
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Junger Soldat in Uniform. Heinrich Mengel, handkoloriert, 1902.
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Fußnoten:
  • [1] Thiersch, Bernhard. 1830. Preußenlied. Teil der ersten Strophe.
  • [2] Bis 1750 waren es noch hellgraue Uniformsröcke.