Schwimmen im Meer – Urlaub an Ost- und Nordsee

Sommer, Sonne, Strand und Meer – heute ist das Baden im Meer aus dem klassischen Sommerurlaub kaum mehr wegzudenken. Für viele Millionen Menschen gehört es zum Urlaubsvergnügen dazu.

Winkender Mann am Meer. Fotograf unbekannt um 1900. ©akg-images
Drei kleine nackige Kinder am Strand. Amateuraufnahme, Fotograf unbekannt um 1900. ©akg-images
Winkende Frau am Meer. Fotograf unbekannt, um 1910. ©akg-images

Im 18. Jahrhundert rief das Meer ganz andere Assoziationen hervor. Das dunkle kühle Nass galt als mystischer Ort voller Gefahren und besiedelt von Ungeheuern. Ein Ort, der Menschen faszinierte und doch Angst machte. Schwimmen konnte kaum jemand, so glich das Baden im Meer eher einer Art Mutprobe.

Helgoland, Strandansicht mit Badekarren. Foto, 1908. ©akg-images
Warnemünde, Strand mit Strandkörben. Fotograf unbekannt, um 1930. ©akg-images

“Der Anblick der Meereswogen, ihr Leuchten und das Rollen ihres Donners, der sich auch in den Sommermonaten zuweilen hören läßt, gegen welchen der hochgepriesene Rheinfall wohl bloßer Waschbeckentumult ist(…)”[1]

Erst als die Hofärzte der britischen Aristokratie die Heilkraft des Salzwassers entdeckten, wandelte sich das Image des Meeres. Der zur Förderung der Gesundheit dienende Aufenthalt im Wasser dauerte jedoch meist nur wenige Sekunden. Man kleidete sich in hölzernen Badekarren um, die anschließend von einem Reiter ins Meer gezogen wurden und watete dann auf einer ausgeklappten Treppe ins Wasser.

Strandprommenade in Westerland auf Sylt. A. Gäbel, um 1900. ©akg-images

Das als Vorbild dienende, wohl älteste und größte Seebad Englands in Brighton gab Georg Christoph Lichtenberg Anlass zur Frage „Warum hat Deutschland noch kein großes öffentliches Seebad?”[2] und schlug eine Gründung in Cuxhaven vor. Tatsächlich wurde das erste deutsche Seebad aber 1793 in Heiligendamm (Ostsee) und um 1800 auf Norderney (Nordsee) eröffnet. Trotz tagelanger, beschwerlicher Anreise fand Adel und vermögendes Bürgertum Spaß an der neuen Bäderkultur. Rasch entstanden weitere Seebäder in Travemünde, Cuxhaven und Wyk auf Föhr. Die fortschreitende Industrialisierung und der Ausbau der Eisenbahn vereinfachten die Reise und ermöglichten auch einfachen Bürgern die Erholung am Meer.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts herrschten strenge Moralvorstellungen. Männer und Frauen badeten getrennt, Schirme und Bretterzäune boten zusätzlichen Sichtschutz. Der nasse Stoff der Badekleider durfte die Körperform nicht abbilden, zusätzlich war das schwere sich mit Wasser vollsaugende Badekleid eher hinderlich, vor allem für Frauen. Mit der Jahrhundertwende änderte sich die Bademode und erste Familienbäder entstanden. Auch das Sonnenbaden kommt in Mode und der Wunsch nach gebräunter Haut weicht dem bis dato herrschenden Schönheitsideal der vornehmen Blässe.

Frau und Mann in einer Strandburg. Fotograf unbekannt, um 1910. ©akg-images
Fußnoten:
  • [1] Georg Christoph Lichtenberg. 1793. Göttinger Taschen Calender . https://www.lichtenberg-gesellschaft.de/pdf/gtc_1793_seebad.pdf Aufgerufen am 16.06.2020
  • [2] Georg Christoph Lichtenberg. 1793. Göttinger Taschen Calender . https://www.lichtenberg-gesellschaft.de/pdf/gtc_1793_seebad.pdf Aufgerufen am 16.06.2020