São Tomé – Kakaoproduktion zur Kolonialzeit

Fast zwei Tafeln Schokolade essen die Deutschen im Durchschnitt pro Woche [1]. Der Großteil der Kakaobohnen wird heute von der Elfenbeinkünste und aus Ghana importiert.

Um 1900 war jedoch die von Portugal beherrschte Inselgruppe São Tomé und Príncipe der weltweit größte Kakaoproduzent [2]. Auch nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei änderten sich die Arbeitsbedingungen auf der Insel nicht. „The islands possess exactly the kind of climate that kills men and makes cocoa-trees flourish“, [3] schreibt der Brite Henry W. Nevinson 1906 in seinem Buch ‚A modern slavery‘. Der Kakaoexport boomt. Erst drei Jahre später ruft der britische Schokoladenproduzent Cadbury den Boykott gegen „slave-grown cocoa“ aus São Tomé und Príncipe aus und appelliert an weitere britische und amerikanische Unternehmen, es ihnen gleichzutun.

“Verladen des Cacaos auf der Landungsbrücke in S. Thomé.” Foto undatiert, nach 1906. ©akg-images
“Neu angekommene Arbeiter.” Foto undatiert, nach 1906. ©akg-images

Genau aus dieser Zeit stammt das private Fotoalbum des deutschen Ingenieurs Leo Freund. Die Fotografien zeigen Plantagenarbeiter in ihrem Alltag, die portugiesischen Schutztruppen, das Verladen der Kakaobohnen am Hafen und die wohl erst kürzlich errichteten Schienen des Güterverkehrs auf der Insel.[4]

Privates Fotoalbum des Ingenieurs Leo Freund. São Tomé, nach 1906. ©akg-images

Auf zwei der Bilder ist er selbst zu sehen, sie sind, wie fast alle anderen Bilder des Albums, mit handschriftlichen Notizen versehen.

Porträt L. Freund. Fotograf unbekannt, nach 1906. ©akg-images
Fußnoten:
  • [1] Statista. 2019. „Jährlicher Schokoladenkosum“, aufgerufen am 10.09.2019. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/20040/umfrage/jaehrlicher-schokoladenkonsum-pro-kopf-in-ausgewaehlten-laendern/
  • [2] Noch heute macht Kakao über 70 Prozent der Exporte São Tomés aus. Mittlerweile gibt es einige Kooperativen, die sich auf eine nachhaltige Produktion und einen Fairen Handel spezialisiert haben.
  • [3] Nevinson, Henry Woodd. 1906. A modern slavery. London, New York: Harpers & Brothers Publishers. Abgerufen am 03.09.2019 https://archive.org/details/modernslavery00nevirich/page/n245
  • [4] Erst 1906 begann der Bau einer ersten Strecke. Schon ein paar Jahre später erstreckt sich der Schienenverkehr zwischen den Plantagen auf 245km.