Rollenporträts – Peter Lordmann

Peter Lordmann, Rollenporträt einer Dresdener Inszenierung. Martin Herzfeld, um 1910. ©akg-images

Die fotografischen Ateliers sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu opulenten Studios mit unzähligen Requisiten geworden. Säulenstümpfe, Mobiliar aus verschiedensten Epochen, fiktive landschaftliche Ausblicke und Interieurs als Hintergründe, Bücher, Vasen, Blumensträuße und diverse Symbole früherer Herrscherporträts kommen zum Einsatz. Die Atelierkulisse gleicht einer Bühne. Man geht zum Fotografen mit dem Wunsch einer repräsentativen Selbstdarstellung. In den Ateliers  bemüht man sich der Rolle und dem Ansehen der Porträtierten möglichst  gerecht zu werden. So erscheinen Schriftsteller, Juristen und Beamte gerne am Schreibtisch sitzend oder in Denkerpose inszeniert. Heute wirkt manche der eingenommenen Haltungen, die Mimik und Gestik steif. Einige der formelhaften Posen und die Starre des Ausdrucks der Porträtierten sind aber auch den fototechnischen Notwendigkeiten der Zeit geschuldet. Sehr lange Belichtungszeiten erfordern noch ein sekundenlanges Stillhalten.

Szenenbild einer Wiener Aufführung mit Peter Lordmann. Anton Kolm um 1905. ©akg-images
Peter Lordmann, Rollenporträt einer Wiener Inszenierung. Anton Kolm um 1905. ©akg-images
Peter Lordmann als “Rocco” in Fidelio. Anton Kolm um 1910.
©akg-images

Über ein schon größeres Repertoire an Posen verfügen Bühnenschauspieler und Sänger. Sie lassen Rollenporträts ihrer Charaktere anfertigen, die als Werbeträger, Marketingwerkzeug, Erinnerungsstück und Sammelkarten dienen. Diese nachträglichen (Re)inszenierungen sind notwendig, da während der Vorstellung die Belichtungszeit zu lang (Bewegungsunschärfe) und der Theatersaal zu dunkel gewesen wäre. So werden gesonderte Studiotermine vereinbart, an denen sich die Darsteller im Bühnenkostüm ablichten lassen.
Auch vom deutschen Opernsänger Peter Lordmann (1874 – 1955) sind einige solcher Fotografien in unserem Bestand. Nach ersten Auftritten in Köln und Düsseldorf als Konzertsänger, debütiert er 1897 in Kassel am Hoftheater. Ein Engagement in Graz wie viele weitere, unter anderem in Karlsruhe, Wien, Köln, Dresden und Berlin folgen. Lordmann hatte eine Bass-/Baritonstimme. Hören lässt sich diese heute hier.

Peter Lordmann als “Mephisto” in “Margarethe” von Charles Gounod. Anton Mayer um 1900. ©akg-images
Peter Lordmann als Bürgermeister in “Zar und Zimmermann” von Albert Lortzing. Atelier Rembrandtum 1914. ©akg-images

Fotografien zeigen ihn unter anderem in seinen Darbietungen als “Mephisto” in “Margarethe” von Charles Gouno, als “Bürgermeister” in “Zar und Zimmermann” von Albert Lortzing, als “Landgraf” in “Thannhäuser” von Richard Wagner, als “Rocco” in “Fidelio” von Ludwig van Beethoven etc.