Schätze im Archiv – Covent Garden neu entdeckt

Nun arbeite ich schon seit fast 15 Jahren im Archiv und nie bin ich es überdrüssig, mir alte Fotografien anzuschauen oder neue Schätze zu entdecken!

Einer unserer Fotografen,Anthony Kersting, der leider kurz vor meinem Umzug nach Berlin verstarb, hinterließ ein unglaubliches Gesamtwerk.

Vor seinem Tod arbeiteten wir schon einige Jahre mit ihm zusammen und haben nun sein gesamtes Farbarchiv in unserem Berliner Hauptbüro unter Museumsbedingungen archiviert und gelagert: sicher und nutzbar für kommende Generationen.

Ich habe mich durch Kisten voller Fotos gearbeitet, dabei alte Schutzhüllen gegen neue Archivhüllen ausgetauscht, die Diapositive gereinigt und die meist großformatigen Ektachrome in neuen Archivboxen abgelegt. Diese Arbeit istzwar ziemlich monoton aber merkwürdigerweise auch sehr beruhigend und es fühlt sich einfach gut an, mit analogem Bildmaterial zu arbeiten und sicherzustellen, dass die Sammlung in gutem Zustand aufbewahrt wird.

Anthony Kersting lebte sein ganzes Leben lang in South West London und so widmete ich mich zuerst seinen Londoner Fotos. Da ich hier selbst 20 Jahre gelebt habe, liebte ich es, die Dias anzusehen und vergangene Zeiten mit herrlich leeren Straße in verblassten Farben zu erforschen.

Gewöhnlich kann man anhand von Autos, verschwundenen Gebäuden oder Straßen, die heute ganz anders aussehen, Fotos gut datieren. Eine unglaubliche Wandlung aber vollzog sich rund um King´s Cross – ich fand ganze Fotoserien, aufgenommen aus dem selben Blickwinkel, die die Veränderung wirklich gut zeigen!

Manchmal findeich alte Briefmarken auf den zur Aufbewahrung genutzten Briefumschlägen und in der Londonkiste A-C befand sich ein harmlos aussehender Umschlag, nur mit der Beschriftung Covent Garden Market. Im Umschlag waren nur Farbfotografien aus den 1960er Jahren von Covent Garden Market , als sich dort noch der Obst- und Gemüsemarkt befand. Ich war ziemlich erstaunt und sehr aufgeregt – scheinbar waren die Bilder nie aus den Hüllen herausgenommen worden und so veranlasste ich sofort ihre Archivierung und Digitalisierung.

Das sind die Momente, die die Arbeit in einem Archiv so wertvoll machen, vor allem wenn analoges Bildmaterial zu sichten und entdecken ist. Ich hoffe, wir werden niemals diesen Teil unserer Arbeit einbüßen!




Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

1 × 3 =

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>